Silvia Höller


Harald Ruppert

Fragt man Martin Gabriel nach dem Zentrum seiner Kunst, sagt er: „Man kann das immer wieder anders erzählen.“ Das hat seinen Grund. Denn mit seiner Partnerin Micha Payer hat er sich nichts Geringeres vorgenommen, als die „Frage des Lebendigen“ optisch umzusetzen. Das Lebendige – das sind der Körper, der Geist oder die Gesellschaft in allen ihren Ausprägungen. Um da nicht schon im Ansatz verschluckt zu werden, muss man sich als Künstler an den Rand zu stellen versuchen – so wie der „Idiot“ im philosophischen Sinn des Wortes. Der Idiot ist der Außenseiter, der am Treiben der Anderen keinen Anteil nimmt und so zu Einsichten über sie gelangt. „Monolithen und Idioten“ heißt in der Ausstellung der beiden im Friedrichshafener Zeppelin Museum denn auch die einzige Skulptur von Payer Gabriel; ansonsten arbeiten die Wiener zeichnerisch. Es handelt sich um 28 Aluminiumabgüsse eines Stücks Treibholz – Abgüsse, von denen keiner dem anderen wirklich aufs Haar genau gleicht. Damit ist man auch bei einem Grundprinzip des Lebendigen: Es vervielfältigt sich nur in Varianten. So bewegt es sich auf einem Grat zwischen Ordnung und Chaos. Aber wie viel Chaos „braucht“ das geordnete Biosystem des Lebens – und wie viel Chaos „vertragen“ andererseits seine Bausteine, damit sie sich noch verbinden?

Mit Mehrdeutigkeit solle dieses Verhältnis aufgeladen sein, sagt Micha Payer und bezieht sich damit exemplarisch auf die Aluminiumabgüsse der Ausstellung. Hier geht es nicht nur um die Frage der Reproduzierbarkeit, sondern auch um die Spannung zwischen Materialität und Körperlosigkeit. Auf ihren langen Stäben wirken die Monolithen, als würden sie wie Wolken schweben. Schon ist man gedanklich bei der Cloud als der „hochgeladenen“ realen Welt, die ortlos geworden ist. Was bedeutet eine Welt, die ihre Griffigkeit verliert, aber wiederum für den Idioten? Nichts anderes, als dass seine Definition auf den Kopf gestellt wird: Wo die Marktplätze der Zusammenkunft sich in den Chatroom verlagern, wird jeder zum Vereinzelten vor dem Display. Ist in solchen Zeiten der neue Idiot derjenige, der das WLAN kappt und wieder mitten im analogen Gemeinwesen steht? Der Outsider von gestern wird zum Insider von morgen; und umgekehrt.

Nach welchen Regeln funktioniert das große Ganze? In der Systemtheorie steigt „die Komplexität eines Systems mit der Anzahl an Elementen, der Anzahl an Verknüpfungen zwischen diesen Elementen sowie der Funktionalität und Unüberschaubarkeit dieser Verknüpfungen“. Wenn das Lebendige aus unübersehbaren Wechselwirkungen seiner Bestandteile besteht – wo ist dann der Masterplan? Was unterscheidet eine Ordnung, die man nicht mehr überblickt, vom Chaos? Mit dieser Frage spielen Payer und Gabriel: Ihre peniblen Zeichnungen von einem Waldstück, einem Wal oder Schwemmhölzern erinnern an Lexikon-Illustrationen aus Zeiten, in denen die Welt noch aus der Inventarisierung ihrer Einzelheiten erklärbar schien. Die Künstler lösen diese Annahme zugleich wieder auf – durch den Verlust der Einheit ihrer jeweils mehrteiligen Zeichnungen.

Unlängst haben Payer Gabriel ein Künstlerbuch herausgebracht, eine Art Lexikon. Darin wird unter dem Stichwort „Weltall“ Hannah Arendt zitiert. Der Fortschritt der Wissenschaft habe mit Kopernikus eingesetzt, schreibt sie sinngemäß. Mit dessen Entdeckungen habe der Mensch begonnen, seine Imaginationskraft aus dem „Gravitationsfeld der Erde“ herauszuheben und die Fähigkeit erlangt, „von einem gewissen Punkt im Universum“ auf sie herabzusehen. Nur sei der Mensch mit jedem weiteren Fortschritt der Wissenschaft auch immer kleiner geworden.

Hier wird dem Außenseiter eine neue Rolle zugewiesen: Er ist in einem ersten Schritt derjenige, der am Rand stehend über die Gegebenheiten im Inneren zu Einsichten gelangt. Sie tragen aber nur zu einer noch weiteren Verkomplizierung der Verhältnisse bei. Diese Pointe ist so bitter wie die Zeichnung des Weltalls von Payer Gabriel: Die Sterne darauf sind in Wahrheit gezeichnete Schmerztabletten. Lassen sich nur damit die Paradoxien noch ertragen?     


Antonia Hoerschelmann

Ferdinand Schmatz

Fading

Etwas zieht
sich durch – uns und durch die Dinge.

Und durch die Arbeiten von Micha Payer und Martin Gabriel.

Es verlangt in uns, dieses Etwas zu greifen, zu halten, zu drehen, zu wenden, es in uns zu spüren, seine Schwingung aufzunehmen. Und jene der Dinge auch, aus ihrem Schatten heraus zu treten, um:

Ich zu sein, und Du. Eine Öffnung aus dem Festgeschriebenen zu finden durch eine andere Begegnung mit den Gegenständen im Inneren wie im Äußeren, mit jenen In uns und jenen in der Welt um uns herum. Sie miteinander zu verbinden gilt es, nicht um sie an uns zu binden, um sie zu besitzen, sondern, um sie freizugeben, damit was rauskommen kann aus ihnen und aus uns. Sich hervordrehend um die lose Achse eines Fadens, der alte Muster um- und neue auszubilden beginnt. Das könnte das Andere sein:

Wir, die Dinge, alle, zusammen, miteinander – da taucht der Begriff der Familie auf, der auch in Payers / Gabriels künstlerischem Werk zentral ist: das Zusammengehörige, das Trennende, das Verbindende, das Gemeinsame, das Unterschiedliche, das Freiliegende und das Tabuisierte, das Verdrängte und das darüber Herrschende – alle diese Formen von Verhalten und Zuständen  gehen mit der Vorstellung des Begriffs von der Familie Hand in Hand.

Dazu kommen die Familienähnlichkeiten, die es auch gibt – in der Sprachphilosophie Wittgensteins. Dort wird die richtige Verwendung, zutreffender: die richtige Anwendung des Begriffs vom Nahe-Verhältnis zu den ihn umgebenden hergeleitet. Der Kontext bestimmt gleichsam die Semantik des Einzelwortes mit. Damit ist die Möglichkeit der Unschärfe des Einzelworts mit im Spiel. Und das Spiel selbst die dominierende Instanz. Spiele sind Familien. Schach und Bridge gehen nicht zusammen. Jedes hat seine Kategorie, für die keine hinreichenden und notwendigen Kriterien angegeben werden müssen. Fällt ein Begriff aus der Familie raus, ist es eben ein falscher, ein irreführender Begriff in Bezug auf die Richtigkeit des Satzes und der Sätze, die er im Sprach-Spiel mitzubilden hätte.

Payer / Gabriel spielen dieses Familienspiel auf ihre Weise.

Die Blume, die Ratte, das Kind, der Bleistiftspitzer, der Astronaut, wie finden diese Wesen und Gegenstände zu einer Einheit zusammen – in ihrer Kunst, versteht sich, scheint das leichter möglich als in der Welt der sprachgeordneten Kategorien.

Dennoch fragen wir auch und vor allem in der Kunst nach dem: Wie? Und sagen: So

– die künstlerischen Arbeiten von Micha Payer und Martin Gabriel machen es möglich, eine Kategorie mit einer anderen spielerisch leicht zu verknüpfen: Lebendiges mit Dinglichem, Natürliches mit Künstlichem,  Aber nicht um eine surreale Gegenwelt zu erstellen, sondern um die gegebene Welt um zu bilden, um darin anders da sein zu können.

Wie anders? Und mit welchem Mittel? Auf welchem Weg?


Auf dem Weg des Beobachtens von Beobachten.
Darauf findet sich etwas Gezeichnetes, also Zeichen, die gesetzt sind, in uns und um uns herum. Was ist gesetzt, wie wird gesetzt?

Bewusst unbewusst lassen Payer / Gabriel das von ihnen Erfahrene – den inneren wie äußeren Gegenstand: den Menschen, das Ding, das Zeichen – fließen, um dadurch in ein Stadium der Verwandlung zu geraten. Dieses ist nicht nur durch den Austausch der Elemente gekennzeichnet, sondern durch deren Verknüpfung und Verbindung mit anderen Elementen oder mit bis dahin übersehenen Teilen der Gegenstände selbst.

Praktisch gesagt: Payer / Gabriel zeichnen Zeichen in Zeichnungen ein und wir, als Betrachter, finden uns mit ein gezeichnet irgendwo darin.
 
Dabei wird nicht metaphorisch ein Bild (oder unser Bild) durch ein anderes ersetzt, wie im Gedicht ein Begriff durch einen anderen, sondern  metonymisch vorgegangen. Ein sich entfaltendes Muster breitet sich aus, Einzelteile werden verbunden. Im erstem Augenblick heterogene Gestalten, Objekte, Materialen (Fotos, Texte) in einen Komplex der Vielheit integriert, der sich als narrativer Raum erweist. In dem Zeit für den Augen-Blick ist, in dem Momente des Zufälligen möglich sind und Unvorhergesehenes eingebracht werden kann. Und wo Freiheit für ein Handeln unter den Gesichtspunkten des verwandelten Blicks, der nicht mehr vom Auge des Gehirns dominiert ist, sich Platz verschafft.

Dieser Platz tut sich auf, er kann betreten werden, dann liegt es an uns, die Freiheit zuzulassen. Das ist die Arbeit, die bleibt und die uns die Kunst vom Micha Payer und Martin Gabriel nicht abnehmen kann und will.

Unsere Hand, unser Geist, unsere Sinne, unser Sinn sind dann mit am Werk.  Körperlich unmittelbar und abgebildet mittelbar.

Diese medial sich begründende Differenz analysieren Payer / Gabriels Arbeiten und transformieren sie ins ästhetisch Synthetische: als Zeichnung, als Foto, als wesentliche mediale Mittel der Kunst verwendendes Setting.

Ihre Kunst ist Kommunikation, das heißt für die Betrachter geschaffen, die sie auch selbst sind. Kommuniziert wird aber nicht über die Wahrnehmung, sondern mit und als Wahrnehmung direkt. Das innen Wahrgenommene und Erfahrene dringt nach außen und kreuzt sich dort mit der Welt, die vorgefunden da liegt, vor-geschrieben da steht – als Zeichen, als Schrift, als Bild: Lexika Artikel, Fotos, Zeichnungen aus dem Naturgeschichtsbuch, aus Kinderbüchern und Jugendlexika geben das Material ab. Das aber dann neu geschichtet wird zum Haufen oder zusammengestellt zum Bett, in dem die Silhouetten der schlafenden Familie übrig bleiben. Oder sich klar absetzen von der sie sonst verschlingenden Alltäglichkeit.

Payer / Gabriel geben keine Antwort, sie bieten keine Lösung oder alleinige Wahrheit an, sondern Einsichten, die sie aus ihren künstlerischen Versuchen gewannen:
Durch Beobachtung, Aufgreifen, Einbindung und folgender Manipulation der Gegenstände, Kompositionen durch die Vielheit hindurch zur Einheit!
 
Ein Weg der Kreuzung von Dynamischem und Statischem, der ins Zeigen übergeführt wird. Wobei ihre Erfahrung und Empfindung in die unseren übertragen wird.
Aber: Jede Erfahrung der am ästhetischen Prozess Beteiligten, ihre wie unsere, kann nur verschieden sein. Jede Umsetzung kann nur zur Erfahrung der Differenz führen, zu Verschiebungen, die uns fremd erscheinen, unheimlich sogar.

Die kalkulierte Kategorienverwechslung, die Nelson Goodman als das Kennzeichen in der Sprache der Kunst herausstellt, wird hier aufgegriffen und praktisch erweitert: auf den Ebenen der Hervorbringenden und der Wahrnehmenden, zwischen irritierendem Kunstwerk und irritiertem Betrachter:

Schön und schlecht. Hässlich und gut. Heimlich und Unheimlich. Außen und Innen:
Die Linie hält, die Linie bricht. Sie leitet oder verfängt sich. Und wir mit ihr in uns. Und finden raus. Aus uns, Aus unserem Körper. Aus unserem Denken. Aus unseren Vorstellungen. aus unseren Bildern.

Es geht um das Bild.

Auch um das vom Körper. Vom eigenen und vom anderen.
Und um das, was wir darin sehen, und wie wir es sehen. Und wie andere unser Verhalten beobachten und aus diesem Beobachten ihre Bilder von uns erzeugen. Sie uns zuschreiben,  um dann alles das zu sein, was sie sein wollen, wir – die un-heimelige Familie der Zeichen aus entfremdeten Sinne und Sinn?

Payers / Gabriels Zeichensetzung mit jenem eingangs erwähnten Faden nimmt uns an der Hand des Auges.
Keine Linie geht allein so vor sich hin. Das bedeutet nicht, dass es einen Anfang und ein Ende geben muss. sie taucht auf, und wir ahnen, dass sie woher rühren, wo wir schon waren, und wohin fließen, wo auch wir hin wollen.
Dieses Rühren und Fließen bestimmt unsere Erfahrung bei der Betrachtung ihrer Arbeiten mit. Wir spüren diese Bewegung, die von ihren Zeichen ausgelöst wird, körperlich, und bebildern sie sofort, auch im Bewusstsein, gedanklich so-zu-sagen, ohne was sagen zu müssen:

Das ist eine Freiheit, die uns ihre Arbeiten im Feld der Halluzination ermöglichen. Diese Halluzination aber kommt nicht von oben, sondern von der künstlerischen Hand, die einen Raum verschafft, den zu füllen die Halluzination sich aufmachen kann.
Diese luzide Halluzination ist also eine künstlerische Technik, die es anzurühren versteht, aber auch uns rührt – weniger sentimental als melancholisch. Die Melancholie entsteht dort, wo der Schatten des Objekts auf das Ich fällt, aber aus diesem Schatten heraus führt uns die Arbeit von Micha Payer und Martin Gabriel.  

Sie trägt zu einer Findung der Individuation bei, die mit den Anschauungen über das Ich-nahe Unbewusste C.G. Jungs korrespondiert, Mit seiner damit verbundenen Schattentheorie, die den einzelnen aus seiner im Schatten liegenden dunkle Seite des Unbewussten hinaus zu den kollektiv unbewussten Archetypen zurückführt. Deren Erscheinen immer auch mit dem Gefühl des Numinosen, des Unheimlichen verbunden ist. Jung fordert die Auseinandersetzung mit dem Schatten, das heißt dessen Integration über die Persona und deren sozialen Anpassung hinaus, als unabdingbaren Schritt auf dem Weg zur Individuation, zu einer archetypisch ausbalancierten Persönlichkeit.

Diesen Weg suchen Payer / Gabriel auf medial-ästhetische Weise auf, und zeichnen ihn frei oder zeichnen ihn um. Befreiend daran ist, dass aber auch diese Umzeichnung und Freilegung nicht in repräsentative Form gegossen wird. Sie stellt sich nicht monumental zur Schau, sondern scheint sich aufzulösen, verschwindet im Übergang zur nächsten Form, zum nächsten Platz, zum nächsten Raum, Dieser setzt sich am rasterhaften Horizont seine Grenzen, und ermöglicht paradoxerweise genau damit die Möglichkeit der Grenz-Überschreitung in der Vorstellung seines Betrachters.

Das erinnert auch an Freuds Wunderblock-Technik, an das Abheben, Auflegen, Neubeschreiben der Hand auf der Wachsschicht, an das Aufleuchten und Vergehen des Bewusstseins bei der Wahrnehmung, wo sich die Dauerspuren des Gedächtnisses mit den neuen akuten Eindrücken überlagern.
Anhand des "Wunderblocks", eines heute vor allem als "Zaubertafel" in Spielzeuggeschäften bekannten kleinen Schreibgeräts, erläutert Freud die verschiedenen Systeme des Bewussten, des Vorbewussten und des Wahrnehmungs-Bewusstseins.

Mit dem Wunderblock legte Freud eine Tafel vor, die für die Arbeit von Payer / Gabriel eine Projektionsfläche abgibt, eine Art Referenz, die praktisch angewandt wird. Dies aber in Form der Transformation des freudschen Gedankens über Erinnerung und Gegenwart und seines dafür entworfenen Objekts, der Wachstafelmaschine, in ästhetisch bestimmte Felder aus Fotografie, Zeichnung und spontan inszenierten Posen. Diese werden weniger vom Traum bestimmt, und von der Freilegung psychisch verdrängter Inhalte, als von neuen, eigenwillig ins Bild und in die Bilder gesetzten Zeit-Raum-Kategorien.

In den Zeichnungen sind in jedem Bild die Spuren des vorhergehenden und des darauf folgenden Bildes zu finden. Das setzt sich fort bis zum letzten Bild, das wiederum aufs erste, das eines aus der Kindheit sein kann, aber auch eines von morgen, verweist:

Linke Seite: ein Porträt von uns dreien in einem fahrenden Auto, wir bewegen uns aus dem Bild hinaus, das Auto sehen wir hier als geschützten Raum in dem das Private stattfindet, das sich jedoch in der Öffentlichkeit, in einer sehr rauen noch dazu (dem Straßennetz) bewegt.
Das Auto ist im Querschnitt zu sehen und die technischen Details werden alle gezeichnet, wie bei einem anatomischen Bild
Rechte Seite: überdimensional kleiner Berg; der Berg führt aus dem Häuslichen hinaus ( die vorhergehenden Bilder sind sehr häuslich: Waschbecken, Tafel mit Geschirr, Zimmerpflanze...) ist aber Inbegriff und Symbol des Heimatlichen in unserer persönlichen Geschichte/ Herkunft
                                                                                        (Payer / Gabriel)


Micha Payer und Martin Gabriel stellen so ihre und unsere spezifischen Archetypen her, Spuren werden herausgearbeitet, umgewandelt und neu eingemustert. Die Archetypen werden mehr erzeugt, als dass sie diese, das sei noch einmal betont, in der Weise psychoanalytischer Aufarbeitung analysieren.

Sie machen ja Kunst.
Ja, und die Kunst macht was aus ihnen und aus uns, das:

Wesen der Erfahrung, die diese reflektieren durch ästhetisches und sozial vergnügliches Staunen. Angesichts der Möglichkeiten, die uns zur Identitätsstiftung angeboten werden, und uns den Ausweg aus der alten, herrschenden, dominierenden und domestizierten ermöglichen! Aber die Lust auf Einverleibung, die entsteht auch. Diese ist aber nicht Verschlingen, sondern Verlangen nach Heimholung in uns selbst.

Die Dinge, die Zeichen, die Menschen, die da auftauchen, von woher nach wohin, wir ahnen es, in der Vielzahl der Verknüpfung entsteht nämlich so etwas wie ein Da:Zwischen, ein Freiraum, der für uns, und wohl für die beiden auch, Heimat bedeuten könnte, Familie, Ich und Du und Ihr und Wir, also ganz persönlich das Alles, was oben so allgemein angesprochen worden ist.


Katalog, Nadelstich ins Universum, Land Salzburg, Kulturabteilung


Johanna Hofleitner

Viennafair: Tüllstoff, Buntstifte, Räume und das All

Das vorrangige Medium des Künstlerpaares Micha Payer und Martin Gabriel ist die Zeichnung. Ausgestattet mit Batterien von Buntstiften und Bleistiften machen sie sich im Duett über meist sehr großformatige Papierbögen her. In einer zwischen musterartiger Serialität und (Über-)Fülle flimmernden Bild- und Zeichensprache umkreisen und umschreiben sie intuitiv zivilisatorische Fragen des Daseins. Ihr Bilderreservoir rekrutiert sich dabei aus einer Unzahl gefundener und gespeicherter Bilder. „Wir beleuchten und analysieren kulturelle und komplexe Phänomene von einem psychologischen Standpunkt“, beschreiben sie ihren Ansatz. Bisweilen bleibt da kein Zentimeter unbearbeitet. Zur Zeit stecken sie in der Planung einer Serie großformatiger Zeichnungen, in der die Natur und ihr Gegenteil – Pflanzen etwa versus menschliche Ersatzstücke – mit maximaler Intensität aufeinanderprallen. Auf der Viennafair präsentieren sich Payer und Gabriel mit neuen Zeichnungen, die von der Beobachtung äußerer Ereignisse aus einem kühl-distanzierten Blick ausgehen: das Ritual der Rauchpause im Hof einer Versicherungsgesellschaft etwa oder Menschen auf einer Rolltreppe, die in der Zeichnung zur ornamenthaften Spirale angeordnet werden.

Auf der Viennafair sind Micha Payer (geboren 1979 in Wolfsberg) und Martin Gabriel (geboren 1976 in Linz) am Stand ihrer Wiener Stammgalerie Christine König mit neuen Arbeiten vertreten (H12).

Die Presse, Kulturmagazin, 4.10.2013


Lucas Gehrmann


Wolfgang Pichler


Tobias Burg

Sabine Mila Kunz

Interview mit Sabine Mila Kunz
Publikation im Zuge der Ausstellung: Fabulanten. Skitzländer. Wunderblöcke.
Kulturstiftung Agathenburg (D) 2013

 
Eure Zeichnungen sprühen vor Ideen. Wie entwickelt ihr eure Themen?

Meistens kommen die Ideen zu uns. Oft führt eine Zeichnung zur nächsten, oft hat man das Gefühl, man müsste noch etwas ergänzen und nachholen, daraus ergibt sich dann eine neue Zeichnung, oder ein Gedanke muss noch auf andere Weise ausgeführt werden.

 
Wo findet ihr die Bilder (Erläuterung, Enstehungsweise und Technik mit Computer etc)

Wir beziehen unser Bildmaterial aus antiquarischen, populärwissenschaftlichen (und damit bilderreichen) Büchern und Lexikas, aus dem Internet, und mischen diese mit eigenen/persönlichen Bildern/Objekten. Oft haben wir ein bestimmtes Bild vor Augen und suchen dann danach; oder inszenieren es selbst fotografisch.
Jedenfalls bestehen die Zeichnungen immer schon als Grundgerüst im Kopf und werden dann als Collagen oft tage oder wochenlang am Computer zusammengestellt, Dinge werden gesucht (bei Fenster zum Garten z.B. auch Bilder von Düngemitteln und Gartenzubehör,usw).
Danach werden die Teile grob skizziert, teilweise auch am Paustisch und danach akribisch ausgearbeitet; das dauert dann sehr lange.
Insofern spielen Suchmaschinen, Bildbearbeitungsprogramme und die Arbeit am Computer insgesamt eine wichtige Rolle in unseren Arbeiten, sie helfen uns beim Vordenken, sodaß das Zeichnen dann zur rein mechanischen Tätigkeit wird; wir sitzen uns dann gegenüber, zeichnen und hören Radio, plaudern vor uns hin...

 
Wie schafft ihr es, dass es nicht zu viele Motive auf einem Blatt Papier werden?

Das ist die Frage, ob es manchmal nicht zu viel und dann wieder zu wenig ist. Und gerade das ist ja das eigentlich Erstrebenswerte, ein Zuviel und ein Zuwenig oder: in sein Gegenteil hineinzulaufen, im Prinzip ein psychologisches Gesetz.
Was wir uns jedenfalls schon lange wünschen ist eine Zeichnung, die überläuft, also in der sich die Bilder ergießen, bis zur Unkenntlichkeit, oder Abstraktion. In der das Gegenständliche sich auflöst durch ein Zuviel, und so zu einer Fläche wird, die gleichzeitig Alles und Nichts beinhaltet.


Warum seid ihr zu zweit besser als alleine ?

Unsere Kunst resultiert aus einem Dialog. Eine Eigenschaft, die uns verbindet, ist das Zweifeln; dass was sich im Leben als Zögerlichkeit erweist und  hindert, kann in der künstlerischen Arbeit, zumindest in unserer, sehr von Vorteil sein,- ein Hin und Herpendeln, ein Abwiegen und Besprechen. Das führt dazu, dass die Zeichnung sehr vielschichtig ist, es ist der Versuch, alle Aspekte einer Sache zu beleuchten und nichts zu vergessen und damit (anhand von Begriffen, die in Bildern resultieren)  auch zu zeigen, dass die Welt ein Geflecht widerlegbarer Behauptungen ist und alles eine Frage des Standpunktes.


Was hat sich im Verlauf eurer Zusammenarbeit verändert?

Unsere Lebenssituation: als junges Paar haben wir begonnen zusammenzuarbeiten und sind zu einer Familie geworden, haben durch gemeinsame Arbeit und gemeinsames Studium natürlich sehr viel Alltagsballast angesammelt, aber bei der Arbeit begegnen wir uns, das dürfen wir ruhig stolz sagen, nach wie vor neugierig, respektvoll und mit gegenseitiger Wertschätzung; wir reflektieren uns aneinander. Die Arbeit ist der Kitt, der uns zusammenhält...


Ihr habt augenzwinkernd von einer österreichischen Perspektive auf die Welt gesprochen. Was ist  das und was ist der Vorteil/ Nachteil

Ja, wir erinnern uns an die Situation, als wir die österreichische Perspektive erwähnt hatten,- da dachten wir an shine brite, die Serie, die in Chicago entstanden ist.
In einer Zeichnung der Serie shine brite,- haben wir das Logo einer Hotdog Kette in Chicago „Vienna beef“ zu unseren Gunsten genützt, und sie mit einem anatomischen Bild von verwachsenen Zwillingen zusammengebracht.  Es ist eine Art Selbstporträt, auch Vienna beef im Sinne eines psychonalytischen Objekts,- durch einen Ortswechsel ist nicht nur das Umfeld ungewohnt, auch an sich selbst muss man sich dann gewöhnen;  vieles, was im Alltäglichen unsichtbar ist, tritt stärker hervor, Gewohnheiten werden reflektiert und neu definiert.
Das Österreichische oder eher Wienerische ist schon speziell; grantig, düster, selbstironisch, doppelbödig...
Immerhin ist Wien die Geburtsstadt der Psychoanalyse, und wir interessieren uns dafür, oder vielmehr gibt es immer wieder Anreize, die unsere Arbeiten und unser Denken inspirieren. Obwohl wir uns eigentlich mehr für C.G. Jung interessieren, und was er aus der Psychoanalyse gemacht hat, also die analytische Psychologie, die Archetypen und das ausgeprägte naturwissenschaftliche und spirituelle Interesse, die Korrespondenz mit Menschen aus unterschiedlichen Gebieten, Physiker wie Pauli. Die Wissensgebiete zusammenzubringen, ein Zusammenschauen, das interessiert uns daran.


Was braucht ihr um gut arbeiten zu können? ( Musik, Kaffee, gutes Wetter, Druck, einen Spaziergang ...so in die Richtung)

Es hilft sehr bei der Arbeit, wenn man ein Ziel vor Augen hat, weil man dann konsequenter mit sich selbst ist.
Für eine Ausstellung zu arbeiten ist in diesem Sinne nicht von Nachteil. Aber wir versuchen doch immer kontinuierlich zu arbeiten. Wir haben beide leider ein sehr strenges Gewissen.  Das bedeutet zwar nicht unbedingt dass wir immer arbeiten, aber, wenn wir es nicht tun, fühlen wir uns nicht gut.


Was geht immer leicht von der Hand?

Also, leicht von der Hand gehen die Dinge dann, wenn man im Fluß ist, wenn man eine Kontinuität hergestellt hat. Eine Unterbrechung ist zwiespältig, einerseits erfordert sie ein ganz neues Eintauchen, also sozusagen einen Sprung ins kalte Wasser, andererseits sind Pausen gut für neue Impulse, man setzt den Sprung an einer anderen Stelle an. Im Prinzip haben wir beim Zeichnen einen Zustand von überwindbaren Überbrückungsphasen hergestellt, also insofern geht alles mehr oder weniger leicht vom Kopf letztendlich in die Hand. Bei anderen Medien, wie dem Video und der Photographie hat sich mittlerweile eine Zögerlichkeit eingestellt, die schwerer zu überwinden ist. Was übrigens auch mit den technischen Bedingungen zu tun hat,- setzt man einmal länger aus, hat sich alles wieder total verändert, teilweise bis zur Unkenntlichkeit,- die Videoschnitt und Bearbeitungsprogramme sind komplett neu überarbeitet, die digitale Spiegelreflexkamera ist zum antiken Gerät gealtert, so in der Art....


Wann wird die Arbeit strapaziös, was nervt?

Beim Zeichnen kommt man manchmal an seine Grenzen,- bei einer Zeichnung beispielsweise, in der wir die Büroangestellten von gegenüber bei ihren Rauchpausen in Miniaturausführung zeichneten, waren wir manchmal schon sehr demotiviert, wenn das Papier sich nur so allmählich gefüllt hat, man aber so etwas Großes vorhatte. Man hat dann das Gefühl, dass das Papier mit dem Voranschreiten der Zeichenarbeit mitwächst. Man könnte es als Kollision der Geschwindigkeiten bezeichnen,- kopfmäßig plant man schon etwas Neues aber man ist noch immer in der Langsamkeit der einen Zeichnung gefangen.

Sind Zeichenlehrer und Professoren nützlich?
Oder woher habt ihr euer Rüstzeug?

Wir hatten nie Zeichenlehrer. Das Zeichnen war für uns neben unserem Kunststudium eher Privatsache, vermutlich ist das in unserem Fall sehr gut gewesen,- so hat es ohne „Zurechtschnitt“ wachsen können.
Jeder Mensch lernt durch Übung, so lernten wir das, was wir können, durch ständige Wiederholung.
Wir haben uns hie und da Zeichenbücher besorgt. Leider können wir sehr schlecht den dreidimensionalen Raum wiedergeben und noch weniger aus der Erinnerung zeichnen, wir sind gut im Abzeichnen oder Umzeichnen - im Umschreiben des Gegebenen.
Das Medium der Zeichnung hat sich bei uns sehr langsam herausgeschält, während unseres Studiums waren wir eigentlich an Video und Animation sehr interessiert, dadurch haben wir begonnen dafür Zeichnungen anzufertigen, und so sind wir letztendlich beim Zeichnen gelandet.

 
Habt ihr Vorbilder?

Vielen Künstlern, aber auch Wissenschaftlern, Philosophen und Psychologen begegnen wir mit Neugierde und interessieren uns für ihre Arbeit und ihr Leben, jedoch würden wir sie nicht als Vorbilder bezeichnen. Am liebsten sind uns Künstler deren Werk durch einen humorvollen und poetischen Zugang gekennzeichnet ist. Interessanterweise schätzen wir oft sehr reduzierte lakonische Arbeiten. Tom Friedman beispielsweise hat uns immer schon sehr gut gefallen. Auch die Ausstellung von Hans Peter Feldmann, die wir unlängst in Hamburg besucht haben, war eine Freude.
Ein Art-brut Künstler, der uns interessiert ist Henry Darger, seine Geschichte ist sehr seltsam.
Zur Zeit widmen wir uns einigen Gedichten Christine Lavants, welche in Videobilder einfließen sollen.
Wenn wir uns mit einem/einer KünstlerIn beschäftigen, dann sind Künstlerbiographien und Interviews eine interessante Quelle.


Gibt es Texte, Zitate, Philosophien die eure Arbeit entsprechen, sie erläutern etc ( hier könnte jetzt längeres Zitat eingeschoben werden)

Wir möchten unsere Arbeit grob als Wunsch einer Beschreibung unseres zivilisatorischen Daseins bezeichnen. Es geht sehr oft darum, Phänomene anhand von Bildern zu umschreiben, und zwar durch ein intuitives Umkreisen, eine Annäherung, die absichtslos aber auch als Überbrückung von Begriffen zu verstehen sein kann. Um sich in unserer Welt voller Komplexität zurechtzufinden, wird die Welt in Teilgebiete gespalten, zerfällt ins Spezielle, überall wo man hinsieht, herrscht Ordnung! Aufteilung. Und uns geht es um Synopsis, ein Zusammenschauen, auch wenn man dabei Gefahr läuft, als Dilettant enttarnt zu werden.

Zwei für uns wichtige Quellen sind zum einen ein kurzer Auszug aus C.G. Jungs Schriften über Analytische Psychologie. Das Zusammenführen von der irrationalen mit der rationalen Welt spielt in unseren Zeichnungen eine wichtige Rolle, beiden Welten Raum zu verschaffen und sie in Verbindung zu setzen. Was Jung das Chaos der ungeordneten Individualfälle nennt, das ist unser Thema, oder Ausgangsereignis.
Und zum anderen Vilém Flusser, dessen Philosophie das Alltägliche in ein glanzvolles Licht rückt,  und dazu verleitet, in der Welt anders dasein zu können.

„So schön und vollkommen der Mensch seine Vernunft finden darf, so gewiß darf er auch sein, dass sie immerhin nur eine der möglichen geistigen Funktionen ist und sich nur mit einer ihr entsprechenden Seite der Weltphänomene deckt. Auf allen Seiten ringsherum aber liegt das Irrationale, das mit Vernunft nicht Übereinstimmende. Und dieses Irrationale ist ebenfalls eine psychologische Funktion, eben das kollektive Unbewußte, während die Vernunft wesentlich an das Bewusstsein gebunden ist. Das Bewusstsein muss Vernunft haben, um im Chaos der ungeordneten Individualfälle des Weltganzen eine Ordnung erst zu entdecken und dann, wenigstens im menschlichen Bannkreis, auch zu schaffen.“
(C.G. Jung, Zwei Schriften über Analytische Psychologie, Walter, 1995)

„Seit der Mensch Mensch ist, behandelt er seine Umwelt. Es ist die Hand, mit ihrem den übrigen Fingern entgegenstellbarem Daumen, welche das menschliche Dasein in der Welt kennzeichnet. Diese dem menschlichen Organismus eigentümliche Hand begreift Dinge. Die Welt wird von der Hand als dinglich begriffen: Die von der Hand begriffenen Dinge werden herangeholt, um umgeformt zu werden. Die Hand informiert die von ihr begriffenen Dinge. So entstehen um den Menschen herum zwei Welten: Die Welt der „Natur“, die der vorhandenen zu begreifenden Dinge. Und die Welt der „Kultur“, die der zuhandenen, informierten Dinge. Noch kürzlich war man der Meinung, dass die Geschichte der Menschheit jener Prozeß ist, dank welchem die Hand progressiv Natur in Kultur verwandelt. Diese Meinung, dieser „Fortschrittsglaube“, muß heute aufgegeben werden. Es wird nämlich immer ersichtlicher, dass die Hand die informierten Dinge nicht etwa in Ruhe lässt, sondern dass sie weiter an ihnen herumfuchtelt, bis sich die in ihnen enthaltene Information abwetzt. Die Hand verbraucht die Kultur und verwandelt sie in Abfall. Nicht also zwei, sondern drei Welten umgeben den Menschen: die der Natur, die der Kultur und die des Abfalls. Dieser Abfall wird immer interessanter: Ganze Wissenschaftszweige wie die Ökologie, die Archäologie, die Etymologie, die Psychoanalyse sind mit dem Studium des Abfalls beschäftigt...“
(Vilém Flusser, Dinge und Undinge, phänomenologische Skizzen, Carl Hanser Verlag München, 1993)


Was beeinflusst eure Arbeit am meisten, was beeinträchtigt sie?

Wie schon erwähnt, gibt es eine Affinität zu bestimmten Themen, naturwissenschaftliche und psychologische Inhalte, die unsere Arbeit sehr beeinflussen. Eigentlich ist es ein Staunen und Begreifen wollen, das uns antreibt. Es sind also keine aktuellen oder akuten gesellschaftspolitischen, sondern mehr zivilisatorisch langfristige Inhalte, mit denen wir uns beschäftigen. Die Arbeit im Medium Zeichnung hat den Vorteil, dass sie bedingt durch ein Einfordern an Disziplin, dem Tag schon sehr viel Struktur verleiht, die wir dringend brauchen.


Gäbe es noch eine andere künstlerische Form in der ihr Euch vielleicht einmal ausdrücken wollt?

Wir möchten uns gerne wieder vermehrt dem Medium Video und Animation zuwenden. Diese ist schon seit längerem zu einem Stiefkind geraten. Und neben dem Zeichnen machen wir auch Objekte, die uns wichtig sind. Die Kugel beispielsweise ist schon seit Studienzeiten ein Thema, daher gibt es viele Varianten von Kugeln z.B.  aus Zündhölzern, Gummiringen usw. die wir in neue Arbeiten integrieren - es gibt eine Sputnik aus Gips, ..... Die Objekte sind für uns sehr nah an den Zeichnungen, sie sind als Ergänzungen zu verstehen, als Heraustreten...


Micha Payer und Martin Gabriel

Artist Statement, 2014

Wir verstehen unsere Zeichnungen als Zusammenführung verschiedener Welten, als Synopsis, also Zusammenschau. Wir beziehen uns auf ein breites, vielfältiges Bildrepertoire, aus antiquarischen Büchern, Bildern aus dem Internet, Fotografien und persönlichem Material. Die Zeichnungen, die als Fragmente verschiedener Zeiten, Welten und Medien am Ende eines langen Prozesses dastehen, sind dann nicht nur Spiegelung dessen, sondern begreifen sich als eigene Welten, insofern ist unser Zeichnen selbst eine Weise Welten zu erzeugen.
Wie die Welt doch unaufhörlich zerfällt, indem sie komplexer wird, indem sie sich reproduziert, vervielfältigt, teilt, wiederholt, multipliziert; wie kann dann überhaupt noch etwas anderes als das Collagieren, die Fransen unseres fragmentarischen in die Weltblickens und zu einem differenzierten Bild Zusammenfügens, als künstlerische Praxis definiert werden?